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Absorber selbst bauen [DIY Anleitung]

Absorber selbst bauen

Die Raumakustik ist einer der wichtigsten Punkte für die Qualität Deiner Produktionen. Es ist ein Bereich, in welchem Du mit wenig Budget große Verbesserungen erreichen kannst. Mit ein bisschen Material und dieser Anleitung kannst Du ganz einfach Absorber selbst bauen und den Nachhall in Deinem Studio reduzieren. Du wirst sehen, diese Investition rechnet sich mehr, als bessere Geräte zu kaufen. Eine gute Raumakustik ermöglicht es Dir, bessere Aufnahmen zu machen und Deinen Mix zuverlässiger zu beurteilen.

Was sind Absorber eigentlich?

Breitbandabsorber gehören in die Kategorie der Schallschnelle-Absorber. Sie entziehen den Schallwellen Energie und wandeln diese in Wärme um. Hierfür werden Sie mit Mineralwolle (Stein-, Glaswolle, oder Schaumstoff / Basotect) gefüllt. Die Absorber sollen den Nachhall in einem Raum absorbieren, um eine reflexionsfreie Zone am Arbeitsplatz zu schaffen. So kannst Du ohne störende Raumeinflüsse arbeiten und bessere Mixes erstellen. 

In der Regel werden Absorber rechts und links sowie über dem Arbeitsplatz angebracht. Ein guter Weg herauszufinden, wo Absorber hängen sollten, ist die Spiegel-Methode. Dabei setzt Du Dich an Deinen Arbeitsplatz und lässt einen Freund mit einem Spiegel auf Deiner Kopfhöhe die Wand entlang fahren. Sobald Du Deine Lautsprecher im Spiegel sehen kannst, hast Du einen Reflexionspunkt gefunden. Dort platzierst Du einen Absorber. Mit dieser Methode findest Du schnell und einfach alle Stellen, an die ein Absorber gehört. Beachte jedoch nicht zu viele Absorber in Deinem Raum zu platzieren, da der Raum dadurch dumpf klingen könnte.

So soll's werden

Zunächst sehen wir uns an, was wir eigentlich tun. So sieht mein Raum nach der Bestückung mit den Absorbern aus:

Absorber fertig 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 2 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Vier Absorber entlang der Wand.

Absorber fertig 2 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 2 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Absorber nach der Tür.

Absorber fertig 2 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 2 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Absorber für den Zwischenraum der Fenster.

Halbfertiges Studio mit Absorbern. 🙂

Ich habe mich für 12 cm dicke Breitband-Absorber entschieden, die wegen ihrer Dicke auch ein wenig im Bassbereich helfen. Für die Rückwand habe ich einen 128x128 cm großen Diffusor geplant. Die Anleitung dafür gibt es später in einem separaten Artikel.

Zunächst ging es an die Planung der Absorber, hier spielt der vorliegende Raum eine große Rolle. Wie viel Platz habe ich? Wie viele Absorber kann ich bauen? Wie groß dürfen sie sein? Das sind die Fragen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Mein Raum ist schmal und länglich (252 cm x 526 cm), deshalb habe ich mich für Absorber entschieden, die schmal und hoch sind.

Eine Längsseite kann ich komplett mit 5 Absorbern bestücken, die gegenüberliegende Seite, auf Grund von 2 großen Fenstern, nur mit einem. Hierfür habe ich jedoch mehr Molton (Stoff) bestellt, um daraus noch Vorhänge für die Fenster fertigen zu lassen. Zusätzlich baue ich später noch zwei weitere Absorber (vermutlich kleiner), hierfür habe ich ebenfalls zusätzlichen Stoff bestellt.

Materialien

Folgende Materialien benötigst Du für den Bau der Absorber:

Ich habe Vlies, Winkel innen und außen, Schrauben, Haken und Dübel im Sonderpreis Baumarkt gekauft. Wenn Du eine Filiale in Deiner Nähe hast, empfehle ich dir wärmstens die Artikel dort zu kaufen, da Du enorm sparen kannst. Die Qualität der Teile ist sehr gut und eignet sich hervorragend für die Absorber.

Abmessungen

Die Absorber sind sehr simpel gestaltet, sie bestehen aus einem Rahmen und einer Zwischenstrebe. Die Maße der Absorber sind so bemessen, dass die Steinwolle-Platten (62,5 cm x 100 cm) perfekt in den Rahmen passen.

Zeichnung Maße - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren

A = 200 cm + 3 x 4 cm = 212 cm

B = 62,5 cm

C = B

Tiefe des Absorbers: 12 cm

Je Absorber braucht man also zwei Latten in Länge A und drei Latten in Länge B. Da jedes Homestudio unterschiedlich viele Absorber braucht, lasse ich meine Bedarfsrechnung (Gesamtmenge) weg.

Beim Stoff sollte man noch etwas Reserve einplanen. Ich habe das so gemacht:
Länge = 212 cm + (2x12 cm) + (2x10 cm Reserve) = 256 cm
Breite = 62,5 cm + (2x4 cm) + (2x12 cm) + (2x10 cm Reserve) = 114,5 cm

Step 1 - Rahmen zusammenfügen

Zunächst verbinde ich die fertig zugeschnittenen Holzbalken mit Hilfe der Winkel zu einem Rahmen. Vorab setze ich Markierungen für die Zwischenstrebe in der Mitte. Dann geht das zusammenfügen insgesamt schneller. Hier wähle und markiere ich schon die „schönere“ Seite vom Holz, um diese dann für die Vorderseite des Absorbers zu verwenden.

 

Markierungen für Zwischenstrebe - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Die Markierung der Zwischenstrebe erleichtert das Zusammenbauen.

 

Befestigungswinkel Rahmen solo - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Die Winkel für die Montage des Rahmens.

 

Befestigungswinkel Ecken - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Mittige Platzierung der Winkel für guten Halt.

 

Befestigungswinkel Zwischenstrebe 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Versetze Montage der Winkel bei der Zwischenstrebe.

 

Befestigungswinkel Zwischenstrebe 2 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
So benötigt man nur zwei Winkel, was vollkommen ausreicht.

 

Fertiger Rahmen.

Step 2 - Vlies befestigen

Für die Rückwand des Absorbers reicht Vlies völlig aus. Hierzu schneide ich es zunächst grob zu und lege es auf den Absorber. Dann tackere ich erst mal eine kurze Seite fest, um den Vlies spannen zu können. Dann bespanne ich es bis zur Zwischenstrebe, tackere erst die kurze Seite und dann die längeren Seiten. Das gleiche wiederhole ich bei der oberen Hälfte des Absorbers. Zum Schluss schneide ich den überschüssigen Vlies mit Hilfe eines Schneidegerätes ab. Ein Cutter-Messer funktioniert hier genauso gut.

 

Flies tackern - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Nach dem Tackern wird das überschüssige Vlies abgeschnitten.
Flies geschnitten - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.JPG
Saubere Schnittkanten.
Rahmen mit Flies - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Rahmen mit Vlies bestückt.

Step 3 - Stoff und Steinwolle vorbereiten

Damit der Molton nicht schmutzig wird, nehme ich ein altes Bettlaken und Reste vom Vlies und benutze das als Unterlage. Ich schneide den Molton vorab in 6 grobe Teile. Dann nehme ich ein grobes Teil, lege es auf meine Unterlage aus und lege den, mit Steinwolle gefüllten Absorber darauf.

 

Erst die Steinwolle in den Rahmen drücken.
Steinwolle im Rahmen 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Den Absorber danach umdrehen, sodass die Steinwolle nicht mehr zu sehen ist.

Step 4 - Stoff bespannen

Nun wird es etwas fummeliger. Bei einem so langen Absorber muss ich sehr darauf achten, den Stoff gut zu spannen, sonst gibt es Falten. Alleine kann man diese Aufgabe nicht bewältigen. Hier ist es wichtig, dass eine Person spannt und die andere tackert. Ich erledige erst die kurzen und dann die langen Seiten. Bei den Ecken ist besondere Sorgfalt sehr wichtig. Bevor man die letzte lange Seite macht, sollte man den Absorber kurz umdrehen und prüfen, ob irgendetwas schief gelaufen ist und angepasst werden muss.

Danach entferne ich den überschüssigen Stoff mit dem Schneidegerät.

 

Stoffkante umgelegt - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Wichtig: Die Ecken brauchen besondere Sorgfalt.

Step 5 - Winkel montieren

Nun werden die Winkel zum Aufhängen der Absorber montiert. Hier achte ich besonders darauf, dass die Abstände der Winkel zu den Außenkanten exakt gleich sind. So kann ich die Bohrlöcher für die Haken einfacher planen und anzeichnen.

Bei diesen Absorbern gehe ich 4 cm von lins/rechts und 2,5 cm von oben/unten in den Absorber und montiere dort die Winkel.

 

Die breite Öffnung gibt die Möglichkeit zum Justieren.
Montagewinkel montiert - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Bei der Montage ist auf genaues Messen zu achten.

Step 6 - Haken anbringen

Diesen Schritt habe ich eigentlich noch vor dem Bespannen der Absorber erledigt. Hier ist es eben wichtig, sich an die geplanten Abstände der Winkel zu halten. Nach dem Ermitteln eines gleichmäßigen Abstandes der Absorber zwischeneinender, zeichne ich die Löcher an und bohre sie. Danach setze ich die Dübel ein und schraube die Haken bis zu einem Wandabstand von 2 cm ein.

 

Winkel unten
Haken in der Wand 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Winkel oben

Step 7 - Aufhängen

Jetzt kommt der schönste Teil: Die fertigen Absorber an die angebrachten Haken hängen. Zu zweit hat man es hier am einfachsten. Einhängen - fertig! Schon ist die Raumakustik deutlich besser!

 

Absorber fertig 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 2 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren.jpeg Absorber fertig 1 - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren

Messung Nachhallzeiten

Die Messung mit dem Messmikrofon beweist es: Die Absorber helfen deutlich! Zwar sind noch nicht alle Probleme gelöst, ich bin aber in diesem Studio noch nicht ganz fertig mit der Raumakustik. Außerdem fehlen die Vorhänge noch. Trotzdem ein top Ergebnis!

 

Waterfall vorher - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Vorher
Waterfall mit Absorbern - Absorber selbst bauen - Raumakustik optimieren
Nachher

Fazit

Wie aus den Messungen deutlich wird, kann hier für relativ wenig Geld sehr viel bewegt werden. Ich habe für die 6 Absorber weniger als 430€ ausgegeben. Man beachte bei den Kosten, dass sogar meine beiden Vorhänge (jeweils über 2m breit) aus Bühnenmolton, sowie Stoff und Holz für 2 weitere Absorber enthalten sind! So konnte ich also preiswert eine erhebliche Verbesserung der Raumakustik erreichen. Das hilft mir, zuverlässigere und bessere Mischungen zu erstellen. Außerdem macht es einfach deutlich mehr Spaß in einem akustisch behandelten Raum zu arbeiten.

Viel Spaß beim Bauen!

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