Blog

Wie mir Minimalismus im Studio hilft

Minimalismus ist ein Lebenskonzept, das sich damit befasst, nur die wesentlichen Dinge zu fokussieren. Bringt mir eine Sache konkret etwas, oder kann ich die Funktion mit etwas Anderem erfüllen? In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, wie der Minimalismus mein Studio und meine Arbeit verändert hat.

Was ist Minimalismus?

Minimalismus als Lebensstil wird bei Wikipedia so definiert:

Einfaches Leben (englisch simple living), auch freiwillige Einfachheit (engl. Voluntary simplicity), Minimalismus oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Konsumkritische Menschen versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen.

Der Kerngedanke ist also unnötige Konsumgüter, die eher den Status repräsentieren, als ein Problem zu lösen, los zu werden. Diese Technik ist in jedem Lebensbereich anwendbar. Mir persönlich hat das in vielen Bereichen geholfen, besonders jedoch im Studio. 

Minimalism

Die Dokumentation "Minimalism" auf Netflix bietet einen Einblick in die Materie. Begleitet werden verschiedene Menschen, die ihr Leben auf den Minimalismus umgestellt haben. Besonders die zwei Jungs Joshua Fields Millburn & Ryan Nicodemus sind strikt minimalistisch und geben diesen Lebensstil durch Auftritte, Vorträge und ihre Webseite theminimalists.com an viele Menschen weiter.

Kerngedanke von theminimalists:

  • weniger Stress durch weniger Dinge um die man sich sorgen könnte
  • mehr Freiheit durch die Ungebundenheit an materiellen Dingen
  • schnellere Entscheidungen durch weniger Auswahl
  • mehr Zufriedenheit durch weniger Auswahl
  • ... und vieles mehr

Am Besten einfach selbst mal reinschauen, ich kann diese Doku wärmstens empfehlen!

Minimalismus im Studio

In den letzten Jahren kam es des Öfteren vor, dass ich Equipment gekauft habe und nach einer Zeit merkte, dass ich es nicht so nutze, wie ich anfangs dachte. Also habe ich die Geräte wieder verkauft. Geräte die mir gefallen haben, habe ich natürlich behalten.

Vor Kurzem fiel mir auf, dass es wieder Geräte in meinem Studio gibt, die ich kaum nutze. Also überlegte ich mir folgendes:

Welche Geräte brauche ich nicht mehr und welche Funktionen können von vorhandenen Geräten übernommen werden?

Wie ich Minimalismus anwende

In meinem Rack waren/sind:

  • SPL Goldmike - Preamp
  • DBX 376 - Preamp & Channel-Strip
  • Behringer Edison - Stereo Prozessor
  • Behringer Kopfhörerverstärker

 

19 Zoll Rack im Studio

 

 

Preamps

Den DBX Channel Strip hatte ich schon seit einigen Wochen abgeschlossen, da er in Verbindung mit der Röhre vom Goldmike zum Teil etwas starke Verzerrungen verursacht hat. Also entschied ich mich zum Verkauf. Den Edison habe ich seit dem Kauf etwa 4-5 Mal benutzt, seine Aufgabe später meist über Software erledigt. Also auch den verkaufen.

Mein Universal Audio Apollo Twin Duo hat einen hervorragenden Vorverstärker mit digitalen Emulationen analoger Vorverstärker. Durch die Unison-Technologie klingen diese auch sehr gut und können den SPL Goldmike leicht ersetzen. Da ich die Albumproduktion von einem meiner Künstler mit dem Goldmike begonnen habe, werde ich ihn erst nach Abschluss des Albums verkaufen (Einheitlichkeit ist wichtig). Aber raus kommt er sicher.

 

Controller

Die letzten Monate und Jahre bin ich mehr und mehr in the box (alles digital) gegangen. Controller sind mir für die Haptik jedoch sehr wichtig. Im Zuge des Minimalismus werde ich darauf nicht verzichten. Darum geht es beim Minimalismus auch nicht. Man soll nicht möglichst alles entfernen, sondern nur die wichtigen und wesentlichen Dinge behalten.

Was ich allerdings mache ist: zwei Controller mit insgesamt 16 motorisierten Fadern auf einen Controller mit nur einem motorisierten Fader zu reduzieren. Bei der Arbeit mit den Controllern ist mir aufgefallen, dass ich immer nur einen Kanal nach dem anderen bearbeite. Es macht also wenig Sinn, 16 Fader vor mir zu haben, wenn ich nur einen brauche. Ersetzt habe ich die beiden Controller durch den Frontier Design Alphatrack. Ein etwas älteres Gerät, aber genau die richtige Entscheidung. Ich hatte überlegt, den Presonus Faderport zu kaufen, da er ebenfalls alle notwendigen Funktionen hat und zudem etwas hübscher als der Alphatrack ist. Am Ende überzeugten mich aber die Funktionen und das Display des Alphatrack.

 

Mikrofone

Meine nächste Anschaffung wird das Slate Virtual Microphone System sein. Überzeugt hat mich der Workflow, die Vielseitigkeit und der gute Klang im Test-Video von Sound on Sound (siehe weiter unten). Die Auswahl an Preamp- und Mikrofonsounds von legendärer Hardware in sekundenschnelle ist die perfekte Effizienz für mich. Auch kein Mikrofonvergleich vor der eigentlichen Aufnahme mehr. Das spart Zeit und zerrt nicht an der Kreativität. In meinen Augen ist so ein System definitiv sein Geld wert, vor allem im Hinblick auf die Kosten der Originalmikrofone!

Slate VMS - SOS Test

Fazit

Durch die Konzentration auf weniges, gutes Equipment ist meine Arbeit effizienter geworden. Ich lerne mein Equipment besser kennen und nutze dieses auch mehr, bzw. mehr Funktionen davon. So komme ich schneller ans Ziel, ohne an Qualität zu verlieren. Auch im nächsten Schritt, beim Wechsel meines Mikrofones, vermute ich einen großen Gewinn an Effizienz und Workflow.

Auch bei künftigen Investitionen im Studio überlege ich genau, welchen Mehrwert mir das bietet. Welche Probleme kann ich damit lösen, die mein vorhandenes Equipment nicht lösen kann?

Ich hoffe dieser Einblick hilft Dir, große Equipmentwünsche zu überdenken und das volle Potential aus dem Equipment zu holen, das du bereits hast.

Viel Spaß beim Produzieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.